Förderung für jeden zweiten Integrationskurs-Besuch gestrichen
Münchner Volkshochschule (MVHS) kritisiert Entscheidung des Bundes
Das Bundesinnenministerium (BMI) genehmigt keine Anträge auf freiwillige Teilnahmen an Integrationskursen mehr. Das haben die Träger*innen der Kurse, darunter die Volkshochschulen als größte Anbieterin, jetzt schriftlich vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) – ohne vorherige Ankündigung. Für rund 130.000 motivierte zugewanderte Menschen bedeutet das faktisch, dass ihnen der Zugang zu Integrationskursen verwehrt wird.
Anträge auf Teilnahmeberechtigungen werden rückwirkend zum 1. Dezember 2025 und bis auf Weiteres abgelehnt. An Integrationskursen teilnehmen dürfen künftig nur noch Personen, die dazu vom Jobcenter, Trägern der Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, Ausländerbehörden oder Sozialämtern verpflichtet werden. Berechtigte, die mit Sprachkompetenz in den Arbeitsmarkt einsteigen und von Sozialleistungen unabhängig werden wollen, werden ausgeschlossen. Sie machen bundesweit bisher ungefähr die Hälfte der Teilnehmer*innen in Integrationskursen aus. Die Kurse aus eigener Tasche zu bezahlen ist den wenigsten von ihnen möglich.
Konkret von den Kürzungen betroffen sind beispielsweise Geflüchtete aus der Ukraine, Asylsuchende, Menschen mit Duldungsstatus oder Fachkräfte aus der Europäischen Union. Ihre Integrationsanstrengungen werden mit der Entscheidung des Bundes torpediert. Denn: Menschen, die den Arbeitsmarkt in Deutschland bereichern und einen gesellschaftlichen Beitrag leisten wollen, werden beim Erwerb der dafür unerlässlichen deutschen Sprache nicht mehr unterstützt.
Diese Sparmaßnahme des Bundesinnenministeriums unterbindet Engagement und Teilhabe von Menschen, auf die Deutschland dringend angewiesen ist. Auch für verpflichtete Teilnehmende werden Integrationskurs-Angebote wegbrechen: Wo die Mindestanzahl von Teilnehmer*innen nicht erreicht wird, müssen weitere Kurse ausfallen. In der Folge trocknen mittelfristig die in den vergangenen Jahren aufgebauten Strukturen zur Förderung der Integration aus.
„Hier werden Strukturen zerstört, die über Jahrzehnte gewachsen sind. Dieses leistungsfähige Angebot für Integration lässt sich nicht einfach wieder hochfahren.“
– Marina May, Programmdirektorin der Münchner Volkshochschule (MVHS)
Auswirkungen auf die internationale Stadt München
Für München bedeutet das: Deutschlands größte Volkshochschule, zugleich die größte Anbieterin von Deutsch- und Integrationskursen in der Landeshauptstadt, verliert ohne Vorwarnung und ohne Übergangsfrist etwa 1.200 Teilnehmende. Das sind rund 45 Prozent der Belegungen in ihren Integrationskursen. Annähernd 250 Kurse an der MVHS stehen durch die Entscheidung des Bundes auf der Kippe.
Die Stadt aber ist als Wirtschaftsstandort dringend angewiesen auf zugewanderte Arbeitskräfte – und auf engagierte Bürger*innen, die sich sprachlich und kulturell hier zuhause fühlen. Für die Münchner Volkshochschule bedeuten die abrupten Kürzungen: Sie kann vielen hochqualifizierten und spezialisierten Dozierenden, die auf Honorarbasis im Bereich der Integrationskurse arbeiten, keine berufliche Perspektive bieten. Fixkosten für hauptamtliche Mitarbeitende und die Anmietung von Kursräumen laufen jedoch weiter.
„Planungssicherheit und Weitsicht sehen anders aus: Von heute auf morgen halbiert das BAMF die Mittel für Integration bei der größten Trägerin von Integrationskursen.“
– Dr. Martin Ecker, Managementdirektor der Münchner Volkshochschule (MVHS)
Aus Sicht der MVHS ist es zentral, dass zugewanderte Menschen schnell in ihrem Beruf arbeiten und sich weiter qualifizieren können. Ohne sprachliche Integration geraten sie ins soziale Abseits. Nur mit freiem Zugang zu Deutsch- und Integrationskursen ist sichergestellt, dass Neu-Münchner*innen mittel- und langfristig ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten und als Bürger*innen am gesellschaftlichen Leben der Stadt teilhaben.
Der Programmbereich Deutsch und Integration der MVHS zählt jährlich rund 40.000 Anmeldungen und trägt maßgeblich dazu bei, Menschen auf ihr neues Leben in München vorzubereiten und sprachlich für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Darüber hinaus qualifiziert die Münchner Volkshochschule besondere Zielgruppen, wie zum Beispiel zugewanderte Frauen, in eigenen Projekten für den Arbeitsmarkt oder begleitet junge Geflüchtete bis zum Schulabschluss.
Die Münchner Volkshochschule (MVHS) ist Deutschlands größtes Erwachsenenbildungs- und Weiterbildungszentrum in öffentlicher Verantwortung. Ihre jährlich über 18.000 Kurse und Veranstaltungen decken ein vielfältiges Themenspektrum ab – von Politik, Technik und Kultur über Sprachen und Gesundheit bis hin zu beruflicher Weiterbildung. Integrationskurse und Lehrgänge zum Nachholen von Schulabschlüssen fördern die gesellschaftliche Teilhabe. Das Angebot ist offen für alle. Die MVHS legt Wert darauf, dass alle Münchner*innen leichten Zugang zum Lernen finden und sich persönlich und beruflich erfolgreich weiter entwickeln können. Ein dichtes Netz an Standorten stellt sicher, dass die Wege zur Bildung kurz sind.
Über Ihre Berichterstattung würden wir uns sehr freuen. Gern vermitteln wir Ihnen Interviewpartner*innen aus der Münchner Volkshochschule.
Für weitere Informationen und Hintergründe kontaktieren Sie bitte:
- Martin Jost, Pressearbeit
Tel. (089) 48006-6192, martin.jost@mvhs.de